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Séverine Gauthier: Die Dichterin der gezeichneten Welten

Es gibt Autoren, deren Geschichten zwischen zwei Welten zu schweben scheinen; bei Séverine Gauthier ist es die Welt der Kindheit und die Welt der Gefühle Erwachsener.

Sie gehört zu jenen seltenen Autorinnen, deren jedes Buch ein Tor zu Zärtlichkeit, Melancholie oder Legende öffnet. Im Laufe der Jahre hat sich Séverine Gauthier zu einer der einzigartigsten und einfühlsamsten Autorinnen der französischen Comicszene entwickelt.

Vom Englischunterricht bis zu Comic-Panels

Obwohl ihr Name heute mit poetischen und zutiefst menschlichen Werken verbunden ist, deutete zunächst nichts darauf hin, dass sie einmal Graphic Novel-Autorin werden würde.

Nach ihrem Abitur mit Schwerpunkt Literatur studierte sie Anglistik, das sie in Kent, Großbritannien, fortsetzte. Zurück in Frankreich arbeitete sie als Lehrerin – ein Beruf, den sie neben dem Schreiben bis heute ausübt.

Doch hinter dem Unterrichten verbirgt sich die Kreativität. Schon in jungen Jahren zeichnete, fantasierte und erzählte Séverine Geschichten. Sie begann mit dem Zeichnen und erkannte schnell, dass ihr wahres Talent im Drehbuchschreiben lag. Ihr erster Graphic Novel, „Noodles!“, den sie gemeinsam mit Thomas Labourot schuf und der 2006 erschien, markierte den Beginn einer produktiven Karriere, in der sie rasch einen unverwechselbaren Stil entwickelte: ein dichtes, sensibles und zutiefst persönliches Werk.

Ein Schreibstil, der gleichermaßen feinfühlig und instinktiv ist

Ihr Schreiben oszilliert zwischen Poesie und unverfälschter Emotionalität, wie etwa in Büchern wie „Coeur de Pierre„, dessen alexandrinischer Verstext Jérémie Almanzas fesselnde Illustrationen begleitet und die Geschichte eines Jungen mit einem steinernen Herzen erzählt, der unfähig zu lieben ist.

Oder „L’Homme Montagne“ gemeinsam mit Amélie Fléchais entstanden, das einfühlsam die Themen Reisen, Trauer und Vermächtnis erkundet. Die Autorin besitzt die seltene Gabe, Kinder und Erwachsene gleichermaßen anzusprechen: Sie versteht es, für Kinder zu schreiben, ohne sie zu vereinfachen, und für Erwachsene, ohne dabei ihren Zauber zu verlieren.

Die Macht der Mythen und indigenen Völker

Séverine Gauthier zeichnet sich durch ihr Interesse an Volkserzählungen, Mythologien und Entwicklungsgeschichten aus. Darüber hinaus prägt ihr langjähriges Interesse an den indigenen Völkern Nordamerikas mehrere ihrer Werke.

In „La Piste des Larmes“ erzählt sie von der tragischen Deportation der Cherokee; in Haida, der unsterbliche Wal* greift sie die Legenden des Nordpazifiks wieder auf. In ihren Werken dominiert die Recherche nie die Erzählung, sondern bereichert sie. Diese Bücher sind von tiefem Respekt vor den Kulturen durchdrungen, die sie beschreiben.

Um mehr zu erfahren:
Einige Alben des Künstlers:

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